Das Telefon klingelt, im Display steht 110 - und am anderen Ende stellt sich ein „Kommissar“ vor. Genau auf diesen Moment setzen Betrüger: Die bekannte Notrufnummer soll Vertrauen schaffen, bevor überhaupt ein Wort gefallen ist. Dabei ist die Nummer selbst schon der deutlichste Hinweis auf Betrug.
Warum 110 im Display immer ein Warnsignal ist
Die 110 ist der Polizei-Notruf, die 112 der Notruf für Feuerwehr und Rettungsdienst. Beide Nummern wählen Sie, sie rufen Sie nicht an. Das Telekommunikationsgesetz (§ 120 TKG) verbietet sogar ausdrücklich, 110 oder 112 als Absendernummer zu übermitteln. Wenn sie trotzdem im Display erscheint, wurde die Anzeige manipuliert. Diese Technik heißt Call-ID-Spoofing: Die Täter legen eine beliebige Nummer ins Display, die mit ihrem echten Anschluss nichts zu tun hat. Die Polizei warnt auch vor der Variante mit einer Ortsvorwahl vor der 110, damit es nach der örtlichen Wache aussieht. Auch diese Nummer ruft nie an.
So läuft die Masche ab
Die Geschichten wechseln, das Ziel bleibt gleich: Ihr Geld und Ihre Wertsachen. Typische Varianten sind:
- In der Nachbarschaft sei eine Bande festgenommen worden, auf einer Liste stehe Ihr Name. Ihr Bargeld und Schmuck zu Hause seien nicht mehr sicher.
- Bankangestellte steckten mit Kriminellen unter einer Decke, Ihr Geld auf dem Konto oder im Schließfach sei in Gefahr.
- Ein „Zivilbeamter“ komme vorbei, um die Wertsachen „in Sicherheit zu bringen“.
Die Polizei stellt dazu klar: Echte Beamte verlangen nie Bargeld oder Schmuck und bewahren auch keine Wertsachen für Bürger auf. Wer am Telefon danach fragt, ist kein Polizist. Ebenso fragt Ihre Bank am Telefon nie nach PIN, TAN oder Passwörtern.
Was Sie tun sollten
- Auflegen. Das ist nicht unhöflich, sondern der wirksamste Schutz. Sie müssen nichts erklären.
- Nicht die Rückruftaste drücken. Die Polizei rät, die Nummer der örtlichen Dienststelle selbst herauszusuchen oder direkt 110 zu wählen.
- Keine Auskünfte geben über Bargeld, Schmuck, Konten oder wer bei Ihnen wohnt.
- Niemanden hereinlassen, der sich nur am Telefon als Beamter ausgegeben hat, und Wertsachen niemals an Unbekannte übergeben.
- Anzeige erstatten, auch wenn nichts passiert ist. Das geht bei jeder Dienststelle oder über die Onlinewache Ihres Bundeslandes.
Unsere Einschätzung: Die Masche funktioniert, weil sie Hilfsbereitschaft und Respekt vor der Polizei ausnutzt. Sprechen Sie deshalb vorab mit Eltern und Großeltern über genau diesen Satz: „Die Polizei ruft nie mit 110 an.“ Wer ihn einmal gehört hat, erkennt den Anruf sofort. Ähnlich funktioniert der Schockanruf, und weitere Warnsignale finden Sie unter Wie erkenne ich Fake-Anrufe? Wenn Sie wissen möchten, ob eine andere angezeigte Nummer bereits gemeldet wurde, prüfen Sie sie auf der Startseite.