„Hello, hier ist der Microsoft Technical Support. Ihr Computer schickt uns seit Tagen Fehlermeldungen, er ist mit Viren infiziert.“ Die Stimme klingt geduldig, fast fürsorglich. Sie bietet an, das Problem sofort zu beheben - Sie müssten nur ein kleines Programm installieren und eine Nummer vorlesen. Genau an diesem Punkt entscheidet sich, ob der Anruf ein Ärgernis bleibt oder richtig teuer wird.
Die Masche mit dem falschen Microsoft-Support ist alt. Schon im Mai 2016 durchsuchten deutsche Ermittler Callcenter in Indien, trotzdem warnen Verbraucherzentralen und Polizei bis heute davor. Die Anrufer wechseln ständig ihre Nummern, und inzwischen beginnt der Kontakt oft gar nicht mit einem Anruf, sondern mit einer Warnung auf dem Bildschirm.
Unsere These: Der Anruf selbst ist harmlos, gefährlich wird erst der Fernzugriff. Solange niemand Ihren Bildschirm sehen oder steuern kann, kostet Sie ein solches Gespräch nur ein paar Minuten. Wer dagegen eine Fernwartung zulässt, gibt einem Fremden nicht den Schlüssel zur Haustür, sondern zum ganzen Haus - mit Online-Banking, E-Mail-Postfach und gespeicherten Passwörtern.
Was Microsoft selbst sagt - und was das für Sie heißt
Microsoft ist hier ungewöhnlich deutlich. Auf seinen deutschen Supportseiten schreibt das Unternehmen, dass es weder unerwünschte Telefonanrufe tätigt noch unaufgeforderte E-Mails verschickt. Wenn Sie nicht selbst um Hilfe gebeten haben, ruft Microsoft Sie nicht an, um Support anzubieten. Außerdem enthalten echte Fehler- und Warnmeldungen von Microsoft nach eigener Aussage niemals Telefonnummern.
Daraus folgt eine einfache Regel: Ein Anruf „von Microsoft“, den Sie nicht selbst ausgelöst haben, ist Betrug. Sie müssen nicht prüfen, ob die Nummer echt aussieht. Sie müssen auch nicht abwarten, ob der Anrufer etwas Glaubwürdiges sagt. Auflegen genügt. Das gilt genauso für angebliche Mitarbeiter von „Windows“, „Microsoft Security“ oder einer „Lizenzabteilung“.
Drei Einstiege, ein Ziel
Polizei und Verbraucherzentralen beschreiben im Kern drei Wege, auf denen die Täter Kontakt aufnehmen. Am Ende wollen sie immer dasselbe: Zugriff auf Ihr Gerät oder Ihr Geld.
| Variante | Erstes Anzeichen | Was Sie tun |
|---|---|---|
| Anruf vom „Microsoft-Support“ | Unerwarteter Anruf, oft auf Englisch oder in gebrochenem Deutsch; angeblich Viren, Fehler oder ein abgelaufenes Sicherheitszertifikat | Auflegen, nichts installieren, keine Daten nennen |
| Warnung auf dem Bildschirm | Vollbild-Meldung im Stil einer Windows-Warnung, meist beim Surfen, mit einer „Hotline“ zum Anrufen | Nicht anrufen; Browser schließen oder Rechner herunterfahren und neu starten |
| Lizenz oder Wartungsvertrag | Angeblich abgelaufene Windows-Lizenz, kostenpflichtiges Wartungspaket, Drohung mit Sperre oder Datenlöschung | Nichts bezahlen, keine Kartendaten oder Gutscheincodes durchgeben |
Der weitere Ablauf ist fast immer gleich. Der Anrufer will, dass Sie ein Fernwartungsprogramm wie AnyDesk oder TeamViewer installieren und ihm den Zugangscode nennen. Diese Programme sind legal und werden von seriösen IT-Diensten täglich genutzt. Genau das macht sie für Betrüger so praktisch: Nichts daran wirkt verdächtig. Selbst die Windows-eigene Schnellhilfe wird missbraucht. Microsoft hat 2024 selbst berichtet, dass Kriminelle sie einsetzen, nachdem sie sich am Telefon als Microsoft-Support oder als IT-Abteilung ausgegeben haben.
Was kaum jemand sagt: Gefährlicher ist die Variante, bei der Sie selbst anrufen
Die meisten Warnungen kreisen um den Satz „Microsoft ruft nie an“. Der stimmt, greift aber bei der Bildschirm-Variante ins Leere. Wenn eine bedrohliche Meldung mit einer „Microsoft-Hotline“ erscheint und Sie dort anrufen, haben Sie das Gespräch selbst begonnen. Das Misstrauen, das ein unerwarteter Anruf auslöst, fehlt. Ehrlich gesagt halten wir diese Variante deshalb für die gefährlichere.
Die Gegenregel ist genauso einfach: Eine Telefonnummer in einer Warnmeldung ist ein sicheres Zeichen für Betrug. Echte Meldungen von Microsoft enthalten keine. Oft stammt die Warnung von einer manipulierten Webseite und nicht aus Windows. Schließen Sie den Browser. Lässt er sich nicht schließen, fahren Sie den Rechner herunter und starten Sie ihn neu, wie es auch die Verbraucherzentrale empfiehlt.
Die Tricks während des Gesprächs
Bevor Sie die Fernwartung zulassen, müssen die Täter Sie überzeugen. Dafür greifen sie auf Tricks zurück, die sich wiederholen:
- Der „Beweis“ per Befehl: Sie sollen einen Befehl wie „assoc“ eingeben. Danach zeigt der Anrufer auf eine lange Zeichenkette und behauptet, das sei die persönliche ID Ihres Computers. Laut Verbraucherzentrale ist diese Zeile auf allen Windows-Rechnern gleich.
- Bezahlen mit Guthabenkarten: Für die „Reparatur“ sollen Sie Guthabenkarten im Supermarkt oder an der Tankstelle kaufen und die Codes durchgeben. Die Verbraucherzentrale NRW berichtete von angeblichen Wartungspaketen für bis zu 400 Euro (Stand 2023).
- Drohungen: Wer zögert, hört, der Rechner werde gesperrt oder Windows werde gelöscht.
- Online-Banking während der Sitzung: Sie sollen sich bei laufender Fernwartung ins Online-Banking einloggen, etwa um eine Gebühr zu bezahlen. Der Täter sieht dann alles mit. Laut Polizei behaupten manche Täter danach, die Zahlung sei fehlgeschlagen, und verlangen eine weitere.
- „Testüberweisungen“: Manchmal sollen Opfer Geld überweisen, angeblich um Hackern auf die Spur zu kommen, teils gegen eine versprochene Provision.
Sie haben Fernzugriff erlaubt: die richtige Reihenfolge
Scham hilft jetzt nicht, Tempo schon. Polizei, Verbraucherzentrale und Microsoft empfehlen im Kern dieselben Schritte. Unsere Einschätzung zur Reihenfolge: erst die Verbindung kappen, dann das Geld sichern, dann die Zugänge - und zwar von einem anderen Gerät aus.
- Verbindung trennen. Ziehen Sie das Netzwerkkabel, schalten Sie das WLAN aus oder fahren Sie den Rechner herunter. Solange er online ist, können die Täter möglicherweise weiter zugreifen.
- Bank informieren. Haben Sie während der Sitzung Online-Banking geöffnet, Kartendaten eingegeben oder Geld überwiesen, rufen Sie sofort Ihre Bank an - über die Nummer auf Ihrer Karte, nie über eine Nummer aus dem Gespräch. Ist die Bank nicht erreichbar, hilft der Sperr-Notruf 116 116. Er ist rund um die Uhr erreichbar, aus dem deutschen Festnetz kostenlos und sperrt Girocards, Kreditkarten und bei teilnehmenden Banken auch den Online-Banking-Zugang. Fragen Sie Ihre Bank außerdem, ob sich Zahlungen zurückholen lassen.
- Passwörter ändern - aber nicht am betroffenen Rechner. Nutzen Sie ein anderes, sauberes Gerät, etwa Ihr Smartphone oder den Laptop eines Angehörigen. Beginnen Sie mit dem E-Mail-Postfach, denn darüber lassen sich fast alle anderen Passwörter zurücksetzen. Danach folgen Online-Banking, PayPal, Online-Shops und jedes Konto mit demselben Passwort.
- Rechner bereinigen. Entfernen Sie das Fernwartungsprogramm und lassen Sie das Gerät von einer Fachperson prüfen. Microsoft selbst rät, ein Gerät zurückzusetzen, wenn Betrüger Zugriff darauf hatten.
- Anzeige erstatten. Bei der Polizei vor Ort oder über die Onlinewache Ihres Bundeslandes. Notieren Sie vorher Datum, Uhrzeit, angezeigte Nummer, den Namen des Programms und alles, was Sie bezahlt oder freigegeben haben.
- Melden. Microsoft hat ein eigenes Meldeformular für Support-Betrug. Und auf Wer ruft mich an? können Sie die Nummer kommentieren, damit andere gewarnt sind.
Ging es um ein Smartphone statt um einen PC, gilt dieselbe Reihenfolge. Die allgemeinen Schritte nach jedem Betrugsanruf, auch ohne Fernzugriff, finden Sie unter Ich bin auf einen Phishing-Anruf reingefallen. Hintergründe zu weiteren Betrugsformen sammelt die Polizeiliche Kriminalprävention.
Warum ein Virenscan allein nicht reicht
Der verbreitete Rat „Lassen Sie einfach den Virenscanner laufen“ klingt beruhigend, ist uns aber zu dünn. Wer per Fernwartung an Ihrem Rechner saß, konnte dort fast alles tun, was Sie auch tun können. Er konnte weitere Programme installieren, Einstellungen ändern und Passwörter ausspähen. Ein Scan findet bekannte Schadsoftware. Ein zusätzlich eingerichtetes, legales Fernwartungsprogramm meldet er nicht zwingend als Gefahr.
Deshalb halten wir Microsofts eigenen Rat für konsequenter: das Gerät zurücksetzen. Das kostet einen Nachmittag und vielleicht die Hilfe einer Fachperson, beseitigt aber die Unsicherheit. Sichern Sie vorher nur persönliche Dateien wie Fotos und Dokumente, keine Programme. Allgemeine Empfehlungen zur Absicherung von Rechner und Smartphone gibt das BSI.
Bringt es etwas, die Nummer zu blockieren?
Nur begrenzt. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass die angezeigten Nummern ständig wechseln und nicht echt sind. In der Praxis kommt der nächste Anruf einfach von einer anderen Nummer. Sinnvoller ist es, eine verdächtige Nummer auf Wer ruft mich an? nachzuschlagen. Dort sehen Sie, ob andere Nutzer denselben Anruf gemeldet haben, um welche Art von Nummer es sich handelt und aus welchem Netz oder Ortsnetz sie stammt. Den Namen des Anschlussinhabers zeigen wir nicht an - bei gefälschten Nummern wäre er ohnehin der falsche. Woran Sie solche Anrufe unabhängig von der Nummer erkennen, lesen Sie unter Wie erkenne ich Fake-Anrufe?
Häufige Fragen
Ruft Microsoft wirklich nie an?
Nicht unaufgefordert. Nach Microsofts eigener Aussage gibt es keinen Anruf, wenn Sie nicht vorher selbst um Hilfe gebeten haben. Auch dann gilt: Lassen Sie eine Fernverbindung nur zu, wenn Sie den Kontakt selbst über die offizielle Microsoft-Webseite gesucht haben.
Gibt es dieselbe Masche mit anderen Firmen?
Ja. Das BSI warnte 2023 vor Anrufen falscher Amazon-Mitarbeiter, die Zahlungen freigeben oder Fernwartungssoftware installieren lassen wollten. Auch falsche Bankmitarbeiter arbeiten mit Fernwartung. Die Regel bleibt dieselbe: Wer Sie unaufgefordert anruft, bekommt keinen Zugriff auf Ihr Gerät.
Bekomme ich mein Geld zurück?
Das lässt sich nicht pauschal sagen. Je schneller Sie Ihre Bank informieren, desto besser stehen die Chancen, eine Zahlung noch zu stoppen. Bei Kreditkartenzahlungen wenden Sie sich an den Kartenanbieter, wie es auch Microsoft rät. Die Anzeige und alle Belege brauchen Sie in jedem Fall.
Ich habe nur telefoniert und nichts installiert. Muss ich etwas tun?
Haben Sie keine Daten genannt und kein Programm installiert, ist nichts passiert. Die Nummer können Sie trotzdem der Polizei melden, die Verbraucherzentrale rät ausdrücklich dazu. Haben Sie Namen oder E-Mail-Adresse genannt, rechnen Sie mit weiteren Kontaktversuchen.
Unterm Strich
Ein Anruf „von Microsoft“ wird erst dann gefährlich, wenn Sie dem Anrufer Ihren Bildschirm überlassen. Microsoft ruft nicht unaufgefordert an und schreibt keine Telefonnummern in Fehlermeldungen - zwei Regeln, die jede Variante der Masche entlarven. Und wenn es doch passiert ist: Verbindung trennen, Bank anrufen, Passwörter von einem anderen Gerät ändern. Genau in dieser Reihenfolge.