„Hallo, ist der Kinderwagen noch da? Ich nehme ihn, kann aber leider nicht selbst abholen. Schreiben Sie mir kurz auf WhatsApp, dann schicke ich Ihnen den Link für Sicher bezahlen. Das Geld ist sofort bei Ihnen.“ Zehn Minuten nach dem Einstellen der Anzeige klingt das wie ein Glücksfall. Es ist der Anfang eines Betrugs.
Sie verkaufen etwas auf Kleinanzeigen, und ein Interessent meldet sich auffällig schnell. Er verhandelt nicht, fragt kaum nach dem Zustand und will den vollen Preis zahlen. Nur zwei Dinge sind ihm wichtig: Sie sollen den Chat verlassen und zu WhatsApp oder SMS wechseln. Und Sie sollen einen Link öffnen, über den Sie angeblich Ihr Geld erhalten.
Unsere Einschätzung vorweg: Der Wechsel zu WhatsApp ist kein Zeichen von Bequemlichkeit, sondern der erste Schritt der Masche. Wer Sie aus dem Kleinanzeigen-Chat herauslotsen will, interessiert sich nicht für Ihren Kinderwagen, sondern für Ihre Kartendaten. Der Link ist nur noch die Ausführung.
So läuft die Masche ab
Die Verbraucherzentrale und mehrere Polizeidienststellen beschreiben den Ablauf seit Jahren fast gleich. Die Details wechseln, das Gerüst bleibt:
- Kontakt: Ein angeblicher Käufer schreibt im Kleinanzeigen-Chat oder direkt per WhatsApp oder SMS, wenn Ihre Handynummer in der Anzeige steht.
- Der Vorschlag: Er möchte über „Sicher bezahlen“ zahlen, also über die Funktion, die es bei Kleinanzeigen tatsächlich gibt. Gerade deshalb klingt der Vorschlag seriös.
- Der Link: Statt die Zahlung in der App auszulösen, schickt er Ihnen einen Link. Er führt auf eine Seite, die der echten Kleinanzeigen-Seite zum Verwechseln ähnlich sieht.
- Die Falle: Um das Geld zu „empfangen“, sollen Sie Ihre Kreditkartendaten eingeben. Manchmal sollen Sie zusätzlich eine Push-Nachricht Ihrer Bank bestätigen oder Fragen in einem angeblichen Support-Chat beantworten.
- Der Schaden: Die Daten landen bei den Tätern, die Karte wird belastet. Eine Zahlung an Sie hat es nie gegeben.
Die Kriminalpolizei in Nürnberg und Ansbach hat in der ersten Jahreshälfte 2026 erneut davor gewarnt, dass Täter auf Kleinanzeigenportalen gezielt Verkäufer ins Visier nehmen. In dieser Variante kommt der Link nicht per WhatsApp, sondern in einer E-Mail, die scheinbar vom Portal stammt: Der Käufer habe bezahlt, Sie müssten das Geld nur noch „abholen“.
Warum der Wechsel zu WhatsApp das eigentliche Warnsignal ist
Kleinanzeigen schreibt in seinen Hilfeseiten unmissverständlich: Kommunizieren Sie nur über Kleinanzeigen. Das ist keine Schikane der Plattform. Im eigenen Chat können Sie ein verdächtiges Profil direkt melden, und die Plattform kann reagieren. Auf WhatsApp ist der Täter mit Ihnen allein.
Was kaum jemand sagt: Der Wechsel des Kanals hat für die Täter noch einen zweiten Vorteil. Im Messenger wirkt ein Link wie eine ganz normale Nachricht, und ein Logo auf der Zielseite reicht, damit sie echt aussieht. Außerdem haben die Täter jetzt Ihre Handynummer. Sie können Sie später erneut anschreiben oder anrufen, auch unter anderem Namen.
Deshalb gilt: Je mehr ein Käufer drängt, den Chat zu verlassen, desto sicherer ist es Betrug. Ehrliche Käufer haben kein Problem damit, in der App zu bleiben. Sie haben dort ja alles, was sie brauchen.
Wie „Sicher bezahlen“ wirklich funktioniert
„Sicher bezahlen“ ist der Treuhandservice von Kleinanzeigen. Der Käufer bezahlt über die App, das Geld wird bis zu 14 Tage beim Zahlungsdienstleister verwahrt. Bestätigt der Käufer den Erhalt der Ware, wird es an Sie überwiesen. Bestätigt er nicht, wird nach 14 Tagen automatisch ausgezahlt. Die kleine Gebühr zahlt laut Kleinanzeigen der Käufer, für Verkäufer ist der Service kostenlos.
Daraus folgt die wichtigste Regel des ganzen Artikels: Um Geld zu bekommen, müssen Sie nie Ihre Kreditkartendaten eingeben. Die Polizei formuliert es genauso. Und die Verbraucherzentrale ergänzt: Bei echten Zahlungsdiensten bekommen Sie Geld, ohne etwas bestätigen zu müssen.
Ein Vergleich, der hängen bleibt: Stellen Sie sich vor, die Kassiererin im Supermarkt möchte Ihnen Wechselgeld geben und fragt dafür nach Ihrer PIN. Sie würden lachen. Eine Seite, die für eine Auszahlung Ihre Kartennummer, das Ablaufdatum und den Sicherheitscode verlangt, ist genau diese Kassiererin.
Ehrlich gesagt ist die echte Funktion nicht das Problem. Sie ist für Verkäufer eine gute Wahl, solange alles in der App passiert. Die Täter missbrauchen ihren guten Ruf, weil der Name „Sicher bezahlen“ Vertrauen weckt.
Die Varianten im Überblick
| Masche | Erstes Anzeichen | Was Sie tun |
|---|---|---|
| WhatsApp-Link zu „Sicher bezahlen“ | Käufer will raus aus dem Chat | Im Kleinanzeigen-Chat bleiben, keinen Link öffnen |
| Falsche E-Mail „Käufer hat bezahlt“ | Sie sollen Geld per Link „abholen“ | Absender prüfen, in der App selbst nachsehen |
| QR-Code als „Zahlungsbestätigung“ | Foto mit QR-Code im Chat | Nicht scannen, Profil melden |
| Zahlung „fehlgeschlagen“ | Neuer Versuch über einen Link | Abbrechen, keine Kartendaten eingeben |
| Versandkosten vorstrecken | Sie sollen Transportkosten vorab überweisen | Ablehnen, nie in Vorleistung gehen |
Echte E-Mails von Kleinanzeigen kommen laut der Plattform nur von Adressen mit @kleinanzeigen.de oder den Unteradressen mail., info. und news.kleinanzeigen.de. Verdächtige Mails können Sie an spoof@kleinanzeigen.de weiterleiten. Wichtig dabei: Auch eine Nachricht im Chat kann behaupten, von Kleinanzeigen zu kommen, obwohl sie Ihr Gesprächspartner geschrieben hat. Darauf weist die Plattform selbst hin.
Wie gut solche Links gemacht sind, kennen Sie vielleicht schon von gefälschten Paketnachrichten. Das Prinzip ist dasselbe wie bei der Paket-SMS mit Link: echtes Logo, echte Sprache, falsche Adresse.
Wenn Sie nur eins tun: diese Regeln
Die meisten Ratgeber listen zehn Tipps gleichberechtigt auf. In der Praxis entscheiden drei davon fast alles, deshalb hier in Reihenfolge:
- Keine Kartendaten, um Geld zu empfangen. Diese eine Regel stoppt die Masche, egal über welchen Kanal der Link kommt.
- Im Kleinanzeigen-Chat bleiben. Wer zu WhatsApp oder SMS wechseln will, ist ein Grund, das Gespräch zu beenden.
- Zahlungen nur in der App prüfen. Öffnen Sie Kleinanzeigen selbst und schauen Sie dort nach, ob wirklich bezahlt wurde. Nie über einen Link aus einer Nachricht.
- Als Verkäufer bestimmen Sie die Bezahlmethode, nicht der Käufer. Diesen Satz gibt auch die Polizei als Rat mit.
- Bei Abholung mit Barzahlung: belebter Ort, bei größeren Beträgen eine Begleitperson.
- Kein Western Union, kein MoneyGram, keine PaySafe-Codes, kein Bargeld im Briefumschlag. Davor warnt Kleinanzeigen ausdrücklich.
Und Ihre Handynummer? Polizeidienststellen haben wiederholt beobachtet, dass besonders Verkäufer betroffen sind, die ihre Handynummer in der Anzeige angeben. Sie ist bequem für ehrliche Käufer, aber sie ist auch die Einladung, den Chat zu umgehen. Wenn Sie die Nummer nicht wirklich brauchen, lassen Sie sie weg.
Schon Daten eingegeben? Diese Schritte jetzt
Wenn Sie Ihre Kartendaten auf einer solchen Seite eingetragen haben, zählt jede Minute. Manche Buchungen lassen sich noch stoppen, wenn Sie schnell sind.
- Karte sperren: Rufen Sie Ihre Bank an oder den Sperr-Notruf 116 116. Er ist rund um die Uhr erreichbar und aus Deutschland kostenlos.
- Bank informieren: Fragen Sie, ob bereits Zahlungen ausgelöst wurden und ob sie sich noch zurückholen lassen. Bestätigen Sie ab jetzt keine Push-Nachricht, die Sie nicht selbst ausgelöst haben.
- Passwörter ändern: Haben Sie auf der falschen Seite auch Ihre Kleinanzeigen-Zugangsdaten eingegeben, ändern Sie das Passwort sofort und überall dort, wo Sie es ebenfalls nutzen.
- Beweise sichern: Screenshots vom Chat, der WhatsApp-Nummer, dem Link und den Buchungen.
- Profil melden und Anzeige erstatten: Melden Sie das Konto bei Kleinanzeigen und erstatten Sie Strafanzeige, auch online über die Onlinewache Ihres Bundeslandes.
Die Verbraucherzentrale nennt dieselben Schritte: Bank kontaktieren, Passwörter ändern, Beweise sichern, Anzeige erstatten und das Profil bei der Plattform melden. Ist zusätzlich ein Anruf im Spiel, etwa ein angeblicher Bankmitarbeiter, der Ihnen „helfen“ will, lesen Sie unsere Antwort auf die Frage Ich bin auf einen Phishing-Anruf reingefallen. Was soll ich tun?
Häufige Fragen
Ist „Sicher bezahlen“ selbst unsicher?
Nein. Die Funktion ist echt und schützt Käufer wie Verkäufer, solange Sie sie in der Kleinanzeigen-App oder auf der Webseite nutzen, bei der Sie selbst eingeloggt sind. Gefährlich ist nur der Link, den Ihnen ein Fremder schickt.
Woher hat der Käufer meine WhatsApp-Nummer?
Meist aus Ihrer Anzeige oder weil Sie sie im Chat genannt haben. Steht die Nummer nicht in der Anzeige, fragen Täter im Chat danach. Kleinanzeigen rät selbst, misstrauisch zu werden, wenn man im Chat zu persönlichen Daten aufgefordert wird.
Ich kaufe selbst. Worauf muss ich achten?
Auf der Käuferseite verläuft die Masche umgekehrt: Der Verkäufer will per PayPal „Freunde & Familie“ oder per Überweisung auf ein fremdes Konto bezahlt werden. Bei „Freunde & Familie“ gibt es keinen Käuferschutz. Nutzen Sie „Sicher bezahlen“ in der App oder PayPal mit „Waren & Dienstleistungen“.
Die Nummer hat mich auch angerufen. Was nun?
Nicht zurückrufen und keine Daten am Telefon nennen. Auf Wer ruft mich an? sehen Sie, ob andere Nutzer die Nummer bereits gemeldet haben, und können selbst einen Kommentar hinterlassen. Ein gekapertes WhatsApp-Konto ist übrigens eine eigene Masche, die wir unter neue Betrugsmasche bei WhatsApp erklären.
Unterm Strich
Ein Käufer, der Sie auf WhatsApp holt und Ihnen dann einen Link schickt, will nichts kaufen. Die echte Bezahlfunktion von Kleinanzeigen braucht weder WhatsApp noch Ihre Kartendaten. Wenn Sie für Geld, das Sie bekommen sollen, eine Karte eintippen sollen, ist der Verkauf in diesem Moment vorbei: Brechen Sie ab, bleiben Sie im Chat und bieten Sie den Artikel dem nächsten Interessenten an.